Opel Blitz > Berichte und Bilder
Bergung eines "Bienen-Blitz"
Esslinger:
Hallo,
heute möchte ich euch etwas über meinen zweiten Weichblitz erzählen.
Bei ihm ist nicht nur seine Geschichte interessant sondern auch dessen Bergung.
Denn bei ihr lief so ziemlich alles schief was man sich vorstellen kann....
Die Erstzulassung war am 1. Juli 1954 auf dem Landratsamt in Göppingen.
Ab lief der klein Blitz bei einem Getränkehändler in Geislingen an der Steige.
War genau der der Opel zu seinem jetzigen Besitzer gelangte, ist mir nicht bekannt.
Es dürfte aber Anfang/Mitte der 60er Jahre gewesen sein.
Auf jeden Fall war der neue Eigentümer ein fleißiger Hobbyimker.
Dieser verpasste dem Blitz, auf Basis der alten Pritsche, einen geschlossenen Aufbau in dem er Später seinen Bienen halten wird die dann für ihn fleißig Honig produzierten.
Den Sommer über soll das Fahrzeug dann immer auf der Schwäbischen Alb verbracht haben.
Über den Winter wurde er immer auf der Obstwiese bei Plüderhausen nahe Schorndorf abgestellt.
Dafür wurde eigens Erde aufgeschüttet und für den "Bienen-Blitz" ein Stellplatz eingerichtet.
Dieses Teiben wurde so bis Anfang der 80er Jahre betrieben.
Dann wurde der Bienen-Blitz abgemeldet und stillgelegt.
Seit dem fristette er ein Trauriges dasein zwischen und unter den Apfelbäumen.
Bis ein Prinz kam um ihn Wach zu küssen...
oppeloppa:
Moin Andreas :)
Was für eine schöne, fast lückenlose Historie!
Was für schöne Fotos!
Damit vergoldest du mir den ohnehin schon goldenen Oktober :preved:
Ok, es ist immer traurig, einen Blitz so zu sehen.
Aber die Aufnahmen sind einfach gelungen :hi:
Was meinst du, wie lange ich über den Breitreifen auf Bild 2 gerätselt habe?
Und wird die Wegfahr-Sperre auf Bild 4 vom TÜV anerkannt?
Andreas, bin gespannt, wie die Geschichte weiter geht :clapping:
LG Manni
Esslinger:
Hallo Manni,
freut mich dass dir meine Geschichte gefällt.
Dann werde ich mal weiter schreiben und versuchen weniger Rechtschreibfehler einzubauen ;-)
Der Prinz zum wachküssen kam dann in der Gestalt von mir.
Ein Bekannter erzählte mir von dem Blitz.
Neugierig begab ich mich mit einem Freund auf die Suche.
Durch Zufall und mit einer großen Portion Glück haben wir den Blitz auf Anhieb gefunden.
Die Bilder von der ersten Begegnung seht ihr oben.
Das Fahrzeug erregte mein Mitleid.
Der Besitzer konnte durch etwas nachfragen im Ort schließlich auch ausfindig gemacht werden.
Er zeigte sich bereit von dem Blitz zu trennen da er ihn bis Jahresende so wieso
entsorgen wollte.
Er bat aber um Bedenkzeit und erzählte mir das es noch andere Interessenten gab.
Nach drei Monaten meldete er sich bei mir und teilte mir mit das ich den Blitz haben könnte.
Um genaueres zu besprechen trafen wir uns bei dem Fahrzeug.
Auf die Frage nach dem Preis entgegnette er mir: Wenn für ihn keine Kosten entstünden, bräuchte ich auch nichts für den Blitz zu bezahlen.
Also war alles klar! :-)
Elefant 1:
Toll Toll Toll ;D
Schöne Geschichte , schönes Auto , schön viel Arbeit. ;D
Schlachtwagen oder Restoobjekt?
Die Bilder erinnern mich irgendwie an Lothars Kipper 8)
Gruß Arnfried
Esslinger:
Hi Arnfried,
schön das auch dir meine kleine Geschichte gefällt :-)
Bevor ich aber jetzt weiter mache, muss eine Sache noch Klar stellen:
Ich war schon aktive an so vielen Bergungen von Oldtimern beteiligt, dass ich diese an allen Fingern gar nicht mehr abzählen kann.
Sei es für mich, für Freunde, für Vereine oder für die Feuerwehr.
Aber eine so große Verkettung unglücklicher Umstände mit Super-GAU ist mir noch nie passiert!
Eigentlich wollte ich den Blitz schon im Juni holen.
Aber leider kam ein Bandscheibenvorfall dazwischen.
Von diesem noch nicht ganz erholt, kam ich gerade richtig in die Zeit der Urlaubssperre.
Auf dem Bau ist im Sommer ja bekanntlich Hochsaison.
Das heißt dass ich dann von Montag bis Samstag arbeiten darf.
Hinzu kommt dass in denn Sommerferien die Familienväter ihren Jahresurlaub in Anspruch nehmen.
Was für mich als Singl bedeutet das ich gar nicht an Urlaub denken brauch.
So geriet auch der "Bienen-Blitz" vor lauter Arbeit in Vergessenheit.
Aber ein sehr guter Freund erinnerte mich daran den Blitz zu bergen bevor der erste Schnee kommt.
Nachdem ich dann auch wieder Urlaub haben durfte, war der Aktion nur noch eine Termin Sache.
Das schöne Wetter im Oktober bot sich ja gerade dazu an.
Der Besitzer war zwar gerade nicht zu erreichen, aber ich hatte seine Erlaubnis auch alleine los zu legen wenn ich Zeit hätte.
Also Urlaub eingereicht, eine Materialliste erstellt und zu Petrus gebetet dass der goldene Oktober noch eine Weile andauert.
Für das ganze Manöver hatte ich mal zwei Urlaubstage eingeplant.
Wobei ich in meinem Optimismus glaubte alles an einem Tag über die Bühne bringen zu können....
Falls dennoch irgend etwas unvorhergesehenes passieren sollte, hätte ich noch das Wochenende als Puffer gehabt.
Aber was sollte schon sein?
Dann war es endlich so weit:
Ein guter Freund leite mir seinen Pkw-Anhänger, eine Motorsäge, ein kleines Notstromaggregat, einen Baumarktkompressor sowie einen Schlagschrauber.
Aus unserer Werkstatt kamen noch zwei Unterstellböcke, diverses Werkzeug und natürlich Schaufel, Pickel und Spaten.
Vom Baubedarf zwei schwere Kurbelwinden.
So ausgerüstet konnte eigentlich nichts mehr schief gehen.
Zudem war der Plan noch recht Simpel:
-Baum (Wegfahrsperre) fällen
-Aufbau von Fahrgestell trennen
-Aufbau mit den Kurbelwinden anheben
-Aufbau mit den Unterstellböcken hinten und den Kurbelwinden vorne aufbocken
-Blitz herausziehen
-Aufbau wieder absetzen
-fertig :-)
Schon die ganze Zeit habe immer wieder auf unserem Umschlagplatzplatz alte Gehwegplatten aus dem Schutthaufen gezogen und gehortet.
Mit den Gehewegplatten wollte ich den Aufbau unterbauen damit er wieder auf der richtigen Höhe saß sobald der Blitz darunter entfernt war.
Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Voller Eifer stürzte ich mich in die Arbeit.
Als erstes musste der Baum daran glauben!
Mit frisch geschliffener Kette lag der Stamm Ruck zuck vor dem Blitz.
Aber dann viel mir auf der Ursprung von dem Baum gar nicht unter der Stoßstange lag, sondern unter der Ölwanne!
Und der Stamm unter dem Blitz war da sogar noch viel dicker als davor!
Zu dem war der Blitz über die Jahre mit den Reifen im Boden versunken!
Und diese waren natürlich noch platt!
Na, das fängt ja gut an!
Der Stamm unter dem Blitz musste auf jeden Fall weg.
Sonst reißt mir der Bauer mit seinem großen Traktor die ganze Vorderachse weg!
Drei Kettenwechsel, zwei Betankungen und unzähligen Kraftausdrücken später hatte ich dann den Stamm unter dem Blitz weggeschnitzt.
Als nächstes Stand das trennen von Aufbau und Fahrgestell auf dem Plan.
Mmmmhhhh, nur wie machen?
Die Schrauben waren im Rahmen nicht nur sehr schwer zugänglich sondern auch stark verrostet.
Die Flex wollte ich wegen der Brandgefahr nicht verwenden.
Aber mit dem elektrischen Fuxschwanz könnte es gehen.
Es brauchte zwei Sägeblätter und sehr viel Kraft bis die erste Mutter ab war.
Zu meinem entsetzen stellt ich fest dass ich diese nur in der Mitte geteilt hatte.
Die andere Hälfte saß noch auf der Schraube.
So ein =&@*# !
Also war Handarbeit angesagt.
In mühevoller und anstrengender Kleinarbeit begann ich alle Muttern mit dem Ringschlüssel zu lösen.
Selbst mein Schweine teurer Profi Knarrenkasten konnte mir nicht helfen, da die Muttern zu weit außen am Rahmen saßen und ich die Knarre nicht ansetzen konnte.
Es waren ja aber Gott sei Dank NUR 18 Schrauben.
Unter mitwirken einiger Liter WD40 und das aussprechen unzählige Flüche, waren dann nach sehr langer Zeit endlich alle Muttern gelöst.
Frohen erwartens ging ich gleich zu Punkt 3 über.
Das Anheben mit den Kurbelwinden geriet dann ausnahmsweise zum Kinderspiel :-D
Wie geplant konnte ich den Aufbau hinten gleich auf die Unterstellböcke aufsetzen.
Vorne habe ich ihn nur durch einschieben von Holzbrettern zwischen Fahrgestell und Aufbau vom Rahmen getrennt.
Bevor dann die Sonne unterging wollte ich noch schnell die Reifen aufpumpen um zu sehen ob diese noch die Luft halten oder ob ich die von meinem Blitz aufziehen müsste.
Ich begann mal links Vorne.
Nach dem Ventil musste ich zu erst mit der Schaufel im Boden suchen.
Zu meinem erstaunen konnte ich trotz fehlender Ventilschutzkappe Luft in den Reifen bekommen.
Und der Schlauch behielt sie Sogar für sich!
Ein HOCH auf die deutsche Qualitätsarbeit!
Nur ging dem Kompressor langsam sie Puste aus.
Normal müsste er doch schon längst laufen und wieder Luft tanken?!
Eingesteckt war er.
Die Sicherung am Aggregat war auch nicht ausgelöst.
Die Rätselslösung brachte schließlich ein Vergleich der Typenschilder:
Der Anlaufstrom überforderte die Leistung des kleinen Aggregates.
Sieg durch Abbruch...
In der Abenddämmerung und unter der Aussprache fäkalischer Verwünschungen
packte ich meine Sachen zusammen und machte mich auf die Heimreise in mein 40 km entferntes Heimatstädtchen.
Fortsetzung folgt......
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